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Vom sinnlosen Sterben

Raed Athamna - Dringender Hilfeaufruf aus Gaza!

Raeds zerstörtes Taxi Man lebt auf der Straße... ... zwischen den Trümmern

E-Mail vom 29.01.2009 von Bettina Marx, ARD Studio Tel Aviv
Betreff: Hilfe für Gaza

Lieber Rupert Neudeck,
liebe Freunde Gazas,

manchen von Euch habe ich schon von meinem Freund Raed Athamna erzählt, der während der israelischen Militäroffensive sein Haus und sein Auto verloren hat. Raed ist - bzw. war ein Taxifahrer, der ausländische Journalisten gefahren und betreut hat.
Mehr als einmal hat er für uns Reporter auch sein Leben riskiert. Mit seinem Einkommen hat er zuletzt 50 Familienmitglieder ernährt.

Sein Taxi wurde unter einem israelischen Panzer zermalmt, sein Haus durch eine Bombe völlig zerstört.

Vor zweieinhalb Jahren hat Raed 18 Familienmitglieder durch israelische Granaten verloren. Die Dokumentation darüber(bei Al Jazeera English, Witness) könnt Ihr hier sehen:
http://www.fromthefrontline.co.uk/blogs/index.php?blog=5&title=the_gaza_fixer&more=1&c=1&tb=1&pb=1

Ich habe vorgestern Raed getroffen. Er ist ein gebrochener Mann, der nur noch weint.
Er weiß nicht, wie er seine schwangere Frau und die sieben Kinder ernähren soll.
Auch sein Bruder mit sechs Kindern und sein alter Vater sind obdachlos geworden.
Ein anderer Bruder wurde von den israelischen Truppen verhaftet und verschleppt. Er wird seit zwei Wochen verhört.

Jetzt konnte ich zwei Tage in Gaza sein. Ich habe Raed getroffen- Er war gerührt über die Hilfe, die ihm wildfremde Leute zukommen lassen. Ich habe ihm auch von all den Briefen erzählt, die ich bekomme, und den Grüßen, die ich ihm ausrichten soll. Ich bin überzeugt, dass es ihm gut tut zu wissen, dass er nicht vergessen ist. Er sitzt in den Trümmern seines Hauses. Es ist wirklich nicht mehr übrig. Nachts schläft er in der offenen Hütte auf den Trümmern, damit sich niemand seines Grundstückes bemächtigt.
Nothilfe ist bei ihm noch nicht gelandet.

Und Raed ist ein einziger Fall von Hunderten und Tausenden, in denen Menschen, Mitmenschen in Gaza Not leiden.

Wer von Euch mithelfen will, kann auf das Konto der Grünhelme unter dem Stichwort "Gaza" Geld überweisen.
Die Kontonummer der GRÜNHELME lautet: 2000008
BLZ: 70070024 (Deutsche Bank München)
Bitte Stichwort "Gaza"
nicht vergessen.

Die Organisation Grünhelme kann natürlich Spendenquittungen ausstellen.

Vielen Dank schon mal an alle und liebe Grüße aus Tel Aviv,
Bettina Marx



Vom sinnlosen Sterben

Mittwoch, 27. Februar 2008: Irgendetwas beunruhigte Raed - und so brachte er seine Frau und die fünf Kinder in ein benachbartes Dorf – das hat ihnen das Leben gerettet.
 
Am 8.November 2006 verfehlten israelische Artillerie-Granaten ihr Ziel um Hunderte von  Metern und trafen zwei Häuser mitten in Beit Hanoun im Gaza-Streifen. 21 Zivilisten, darunter 14 Frauen und Kinder, sind nie mehr aus ihrem Schlaf erwacht. Mindestens 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. 13 Personen einer einzigen Familie kamen ums Leben, von der 86jährigen Grossmutter bis zum sechs Monate jungen Säugling.
 
Raeds Familie.
Manchmal setze sich sein Vater heute irgendwo hin und weine still vor sich hin, sagt Raed. Ein Teil seiner Gross-Familie, Bruder, Neffen, Sohn - ausgelöscht. „So etwas vergisst du nicht“, meint Raed der Taxi-Fahrer.   
 
Am Dienstag abend hat die Sonderuntersuchung der israelischen Armee ihren Bericht zur Tragödie von Beit Hanoun vorgelegt. Ein „rares und ernsthaftes technisches Versagen eines Feuerkontrollsystems“ seien, so der Untersuchungsbericht, die Ursache für die fehlgeleiteten Artillerie-Geschütze. Es handle sich nicht um Absicht. Aus diesem Grund sei keine weitergehende Untersuchung angebracht. Niemand sei verantwortlich zu machen.
 
Kein Wort der Entschuldigung, des Bedauerns. Keine Zeile dazu, warum mit der relativ treff-unsicheren Artillerie in bewohntes Gebiet gefeuert wird. 21 tote Zivilisten – und keiner ist verantwortlich.
 
Nein, Raed ist über den Untersuchungsbericht nicht erbost. Nein, Raed wünscht Israel deshalb nicht alles Üble auf Erden. Er fragt bloss nüchtern: „Hast Du was anderes erwartet?“
 
Die Medienkarawane ist längst weitergezogen, keiner interessiert sich mehr für die Witwen und Waisen von Beit Hanoun. „Das“, meint Raed, „ist unser Leben“. „Und schau’ was heute geschehen ist: Hamas-Leute wurden von den Israelis erschossen – jetzt werden dann gleich die Raketen auf Israel abgefeuert werden.“
 
„Alles sinnlose Tote. Israeli und Palästinenser sterben umsonst“, sagt Raed.





Neue Termine
- 17/12/2011 16:30Uhr - Afghanistan Konferenz: Übergabe in Verantwortung
- 05/12/2011 19:00Uhr - Vortrag: „Am Rande. Orte an der Peripherie erlebt, beobachtet, berichtet“
- 25/11/2011 19:00Uhr - Vortrag: „Bauingenieure und Architekten als Wiederaufbauhelder in Afrika und Asien“

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kann nicht frei sein.

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